Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Aide a la Jeunesse Africaine 2000

„Porzer Kleine Finken“

Das Projekt „Porzer kleine Finken“ richtete sich an 6- bis 8-jährige Kinder, die im Viertel Köln-Porz-Finkenberg aufwachsen. Der Stadtteil wurde im Jahr 2000 von der Stadt Köln zum Sanierungsgebiet erklärt und seitdem in der sozialraumorientierten Konzeption der sogenannten sozialen Stadt integriert. Lag der Anteil der Migrantinnen und Migranten 1990 bei 26%, ist er innerhalb von 10 Jahren bis zum Jahr 2000 auf 42,4% gestiegen. 2007 lag der Anteil bereits bei knapp 60%, bis 2009 hat er sich 75% erhöht.

Der Ansatz der Pfadfindermethode im interkulturellen Kontext

Der naturpädagogische und kulturpädagogische Ansatz der Pfadfindermethode, der den Menschen ganzheitlich im Blick hat, folgt diesem Ansatz: Wo auch immer wir herkommen, als menschliche Lebewesen sind wir nicht nur Teil der Natur, sondern in ihr eingebunden.

Das Projekt „Porzer kleine Finken“  wurde gemeinsam mit den Vereinen, Familienwelt e.V und den Solidaritätsbund der Migranten e.V. durchgeführt

An unserer interkulturellen Pfadfindergruppe „Porzer kleine Finken“ nahmen 15 Kinder im Alter zwischen 6 und 8 Jahren teil. Sie hatten einen deutsch-russischen, afrikanischen oder türkischen Migrationshintergrund und sind fast alle in Deutschland geboren. Sie leben in dem zuvor geschilderten Sozialraum und hatten vor dem Projekt wenig Bezug zur örtlichen Natur und Kultur.

Eine sehr schöne Erfahrung, die wir im Rahmen des Projektes mit unserer Waldpädagogik machen durften, ist, dass Kinder mit russischsprachigem Migrationshintergrund von Naturerlebnissen und Erfahrungen berichten, die sie im Urlaub zusammen mit Großeltern, Tanten oder Onkeln gemacht haben. Viele Kinder mit türkischem Migrationshintergrund können bei Verwandten, die in der Türkei leben, ähnliche Erfahrungen sammeln. Allerdings fiel uns auf, dass Kinder aus afrikanischen Familien, die ebenfalls Teilnehmerinnen beziehungsweise Teilnehmer des Projektes sind, aufgrund der Entfernung und aus aufenthaltstechnischen Gründen nicht von dem Naturbezug ihrer Verwandten aus Afrika profitieren können.

Für alle Migrantengruppen gilt jedoch, dass es in den jeweiligen Migrantencommunities Verwandte, Freunde und Bekannte gibt, die aus ihrer Kindheit und Jugendzeit reiche Naturerfahrungen mitbringen und diese zum Beispiel als ehrenamtliche Kräfte an die Kinder weitergeben könnten. Wir machen die Erfahrung, wie Kinder Namen von Pflanzen und Bäumen mehrsprachig beispielsweise auf Russisch einordnen oder beim pädagogischen Betreuer aus eigenem Interesse fragen, ob es die eine oder andere Pflanze zum Beispiel auch in Russland gibt. Manchmal antwortet ein anderes Kind, das die Antwort bereits kennt.

In der Natur teilen die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieselben oder ähnliche Erlebnisse. Zugleich stellen sie durch eigene Beobachtung fest, dass Natur trotz der Ähnlichkeit andernorts andere Erscheinungsformen annimmt. Die biologische Artenvielfalt ist somit eine wunderbare Metapher für die eigene kulturelle Vielfalt der Gruppe. Dies erleben die Kinder unmittelbar. Mit ein wenig pädagogischem Geschick können sie dabei unterstützt werden, ihren eigenen kulturellen Kontext zu reflektieren.

Im Projekt ergab sich der kulturpädagogische Ansatz zum Teil unmittelbar aus der umgesetzten Naturpädagogik. Wie wir alle wissen, aber allzu oft vergessen, ergeben sich viele unserer Märchen, Fabeln und Sagen ebenso wie Redewendungen und Sprichwörter unmittelbar aus einem Naturkontext. Dies gilt kulturübergreifend. Oftmals teilen wir gleiches oder ähnliches Kulturgut, das sich zwangsläufig aus einem ähnlichem Naturkontext ergibt. Im Rahmen des Projektes waren wir bemüht, den Kindern dies bewusst zu machen.

Mit einer interkulturellen Pfadfindermethode wird der einzelne nicht auf seine „kulturelle Andersartigkeit“ reduziert. Hier findet ein Prozess vom gemeinsamen Naturerlebnis zum gemeinsamen Kulturerlebnis statt.

Zumindest im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit gibt es im interkulturellen Kontext potentiell einen gemeinsamen Beziehungspunkt, der nicht von der klassischen Ansicht der „kulturellen Andersartigkeit“ ausgeht. Meiner Meinung nach wollen Menschen „in der Fremde“ zunächst nicht in ihrer „kulturellen Andersartigkeit“ wahrgenommen werden (zumal die zweite und dritte Generation sowieso als heimisch wahrgenommen werden möchte). Erhalten Migrantinnen und Migranten die volle Akzeptanz durch persönliche Anteilnahme und wird zudem ihre kulturelle Andersartigkeit geschätzt, wirken interkulturelle Kompetenzen wie ein Katalysator. Das Projekt „Porzer kleine Finken“ ist ein kleiner Schritt zur Verbreitung dieser Sichtweise.

Methode: „Erlebnispädagogische Waldtage mit Kindern“

Inhalt: durch erlebnispädagogische Waldtage Naturerfahrungen sammeln

Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer:  15

Beschreibung: Die Wahrnehmung von Naturphänomenen mit allen Sinnen ermöglicht es, ganz individuelle Erfahrungen im Wald zu sammeln und einen persönlichen Zugang zu diesem Lebensraum aufzubauen. Ein Moospolster nur zu sehen, ist etwas anderes, als es gleichzeitig zu erfühlen und an ihm zu riechen.

Im Wald, ohne vorgefertigtes Spielzeug, mit geheimnisvoll wirkenden Bäumen und ungewohnten Geräuschen, wird die Fantasie und Kreativität der Kinder angeregt. Dinge aus der Natur werden in einen ihrer Gedankenwelt entsprechenden Sinnzusammenhang gestellt. Eine Buchecker wird zu einer Zwergenkratzbürste und ein moosbewachsener Baumstumpf zu einer Miniatur-Parklandschaft. Die Kinder sind zu eigenem Handeln herausgefordert, was einer passiven Konsumhaltung entgegenwirkt.

Das Sozialverhalten und der Gemeinschaftssinn in der Gruppe können durch einen Aufenthalt im Wald positiv beeinflusst werden. Die veränderte Umgebung fordert andere beziehungsweise neue Verhaltensweisen und Kooperation untereinander heraus. Absprachen sind notwendig und die Vorteile des gemeinsamen Handelns werden erkannt. Beim Bau des Waldsofas zählt beispielsweise nicht, wer dazu in der Lage ist, den längsten, dicksten, schwersten Ast heranzuschleppen, sondern die Erkenntnis, dass dünnere und kürzere Zweige besonders gut geeignet sind. Bringt jeder seine persönlichen Fähigkeiten konstruktiv ein, wird die Aktion für alle Beteiligten zu einem positiven Erlebnis. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Ergebnis gemeinsam genutzt werden kann.

Mit Naturerlebnisspielen von Joseph Cornell und dem Flow Learning, einer Strategie der Naturerkundung, wird eine enorme Begeisterung und Erfahrungstiefe hervorgerufen. Nicht zuletzt soll den Kindern mit Spielen die Natur näher gebracht werden, so dass sie eine respektvolle Beziehung zu ihr aufbauen können. Die Sinne werden geschärft oder wieder entdeckt und ganz nebenbei wird Wissen vermittelt. Es werden die vier Elemente mit allen Sinnen erkundet und es wird festgestellt, dass der Kreislauf der Natur auch ohne den Menschen funktioniert.

Ziel ist es auch, die Phantasie anzuregen. Sei es mit Suchlisten, bei denen nicht nur Reales gefunden werden soll, sondern auch zum Beispiel das Stück Fell eines Graugnom, die Feder einer Wilddrude oder die Spur von einem Rumpelwicht. Hierbei wird Bezug auf das Buch „Ronja Räubertochter“ von Astrid Lindgren genommen, wobei der Mattiswald überall sein kann. Dieses Thema kann als Theaterstück oder vielleicht auch als Kinofilmbesuch in das Gesamtkonzept mit eingebunden werden. Der Wald bietet mit seinem eigenen Klima, den sich ständig ändernden Lichtverhältnissen und der Artenvielfalt einen idealen Platz für Aktionen mit Kindern. Die Zeit bekommt eine andere Dimension: In Relation zu der Lebenszeit eines alten Baumes wird die eigene als kurz empfunden und ein Gefühl für die Zeitlichkeit entwickelt.

Methode: „Erlebnispädagogische Kulturtage mit Kindern“

Inhalt: Kulturerlebnis durch Naturerlebnis

Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer: siehe Oben

Beschreibung: Wie bereits erwähnt, ergab sich die Kulturpädagogik zum Teil aus der Naturpädagogik. Aus einem Naturerlebnis im Wald kann in einem anderen Kontext ein Kulturerlebnis werden. So wird aus dem Walderlebnis „Ronja die Räubertochter“ bewusst das Theaterstück im Kindertheater, um schließlich in der Bibliothek nach einer Vorlesestunde gemeinsam diskutiert zu werden.

Fazit: Das pädagogische Konzept von wechselnden Kontexten ist ein Erfolgsgarant, weil es ganzheitlich unterschiedliche Persönlichkeitsaspekte fordert und fördert und zugleich zur Entwicklung anregt. Zudem wird eine Vielzahl von sozialen Fertigkeiten nebenbei vermittelt. Auch der Aspekt der Sprachbildung wird besonders durch den Kontextwechsel gefördert, dies auch weil unterschiedliche Lerntypen (visuelle, auditiv, haptisch) hiervon profitieren. Zudem lassen sich bei entsprechender Zielsetzung leicht interkulturelle Bezüge herstellen. Dieses ganzheitliche Lernen können klassische offene Kinder-Angebote meist nicht liefern, da sie oft kontextuell gebunden und daher statisch sind.