Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Aide a la Jeunesse Africaine 2000

Empowerment für afrikanische und afrodeutsche Kinder

Ferienworkshop für Grundschulkinder in Köln –Porz“. Durchgeführt mit dem verband binationaler Partnerschaften ( iaf ) e.V

Ausgangslage

In Köln sind Kinder aus afrikanischen Familien und afrodeutsche Kinder eine Minderheit, die auffällt und sich häufig in der Situation befindet, sich gegenüber anderen ‚erklären zu müssen‘: Die Kinder werden gefragt „wo sie herkommen“, auch wenn sie nie woanders gelebt haben als in Köln. Wenn sie einen weißen Vater oder eine weiße Mutter haben, werden sie oft für Adoptivkinder gehalten. Auch das Lob, dass man ja gut Deutsch spreche, signalisiert eher gesellschaftliche Ausgrenzung als Eingrenzung. Auch in Köln gehört es noch nicht zur Selbstverständlichkeit, dass ‚typisch deutsch‘ eine Vielzahl von äußeren Erscheinungsbildern und Lebensweisen beinhaltet. Darüber hinaus berichten Kinder und Eltern immer wieder über rassistische und diskriminierende Verhaltensweisen, denen sie im Alltag ausgesetzt sind.

Die beschriebene Ausgangslage wirkt sich erschwerend auf die Identitätsentwicklung der Kinder aus und sie brauchen einen Raum, in dem sie die Fragen untereinander bearbeiten können, die zunächst vor allem sie auf diese Weise betreffen und in dem sie begleitet und bestärkt werden.

Das Projekt „Empowerment für afrikanische und afrodeutsche Kinder“ hatte  zwei Zielgruppen in Fokus:

  • Afrikanische Kinder: beide Elternteile sind aus einem oder zwei afrikanischen Ländern zugewandert
  • Afrodeutsche Kinder: Die Eltern sind binational und stammen aus unterschiedlichen Ländern, Kulturkreisen. Zumeist ist eines der Eltern deutscher Herkunft.
  • Das Kind wächst mit beiden Elternteilen auf, hat einen konkreten Bezug zu der Familie in Afrika, zu Sprache und Kultur des afrikanischen Elternteils.
  • Das Kind wächst nicht mit seinem afrikanischen Elternteil auf, hat eventuell wenig oder keinen Umgang mit ihm.

Ziele und Zielerreichung

Allen Kindern wurde durch ein abwechslungsreiches Programm Anregung zum Austausch über wichtige ihre Identität betreffende Fragen gegeben. Gleichzeitig bekammen sie Impulse für kreative Techniken und den Umgang mit Sprache und Kommunikation. Sie bekammen Gelegenheit über ihr Aussehen, ihre Familien, ihre Sprachen und Konfessionen, ihre Hautfarbe, über Selbst- und Fremdwahrnehmung zu sprechen. Dabei kammen auch diskriminierende Erlebnisse zur Sprache . Strategien zum Umgang mit schwierigen Situationen konnten entwickelt werden. Die Kinder fühlten sich gestärkt und fanden Sprache für die Benennung von Fragen zur eigenen Identität.

Für die Kinder wurde ein Raum geschaffen, in dem sie einmal nicht ‚sichtbar anders’ waren. Sie erhielten Impulse, ihre afrikanisch/deutsche Identität differenzierter zu betrachten. Sie lernten ihren eigene Lebensumwelt zu beschreiben, ihre Familie und alles, was ihnen wichtig und selbstverständlich ist. Sie beschrieben, was sie an der Schnittstelle zwischen afrikanischem Selbstverständnis und dem Leben in Deutschland erlebten. Wer stellt welche Anforderungen an sie? Was ist einfach, was ist schwierig? Gibt es auch Widersprüche? Sie bekammen einen Raum für den Austausch und für eventuelle Sorgen, entwickelten dafür eine Sprache und wurden ermutigt, für ihre Konflikte konstruktive Lösungen zu finden.

Sie entwickelten ein positives Gruppengefühl und übten solidarisches Verhalten.

Über die Ferienfreizeit hinaus wurden Kontakte geknüpft, die unter anderem auch afrikanische Kinder mit afrodeutschen in einem dauerhaften Austausch bleiben ließ.

Afrodeutsche Kinder, insbesondere diejenigen, die ohne den afrikanischen Elternteil aufwachsen, kommen in Kontakt mit Kindern, die stärker und selbstverständlicher in afrikanischen Kontexten leben. Neugierde wird befriedigt und gleichzeitig geweckt.

Die Gruppe

Zehn Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren, sieben Mädchen und drei Jungen, haben an dem Angebot regelmäßig teilgenommen. Sechs Kinder stammten aus binationalen Familien, bei denen der Vater afrikanischer Herkunft war und die Mutter deutscher Herkunft. Drei der Kinder kamen aus Familien mit Eltern, die beide aus afrikanischen Ländern zugewandert sind. Alle Kinder wurden in Deutschland geboren. Mindestens fünf der Kinder stammten aus Trennungs- und Scheidungsfamilien.

Das Programm im Überblick

Zunächst das Wochenprogramm im Überblick:

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
Ankommen Frühstück Ankommen Frühstück Ankommen Frühstück Ankommen Frühstück Ankommen Frühstück
Leiterinnen stellen sich vor. Warum sind wir hier zusammen, was haben wir vor? Wünsche und Ideen der Kinder für die Woche Kennenlernspiel mit BallSpiel: „Der Wind weht über Afrika“ Was braucht ihr um euch wohl zu fühlen: Erarbeiten von Regeln Freie Spielzeit Zeitungstanzen. Kennenlernspiel mit Wollknäuel, dabei vernetzen wir uns. Unser Name: Bedeutung, Aussprache, Spitznamen. Thema Herkunft: Weltkartenpuzzle, Vernetzung mit Wolle, wo lebe ich, wo meine Verwandten. Ausflug in die Groov in Porz Zündorf Basteln und arbeiten an den „Das bin Ich“ Mappen. Ballontanzen und das Spiel „Mörder in der Disco“. Ratespiel: Gefühle pantomimisch darstellen. Verarbeitung der Erlebnisse vom Vortag im RollenspielAuswertung des Workshops: Tonaufnahmen im Tonstudio. Proben: Moderation. Jedes Kind stellt sich vor. Tanz. Modenschau. Rollenspiel.
Freie Spielzeit/ Zubereitung des Mittagessens Freie Spielzeit/ Zubereitung des Mittagessens Freie Spielzeit/ Zubereitung des Mittagessens Freie Spielzeit/ Zubereitung des Mittagessens Freie Spielzeit/ Zubereitung des Mittagessens
Mittagessen Mittagessen Mittagessen Mittagessen Mittagessen
Fußball spielen auf dem Bolzplatz und Kratzeeis essen. Was war heute gut und was war nicht so gut Film „Kiriku und die wilden Tiere“ im Kino der OT Glashütte Wir lesen: „Erstaunliche Grace“, anschließend Erfahrungsaustausch Wasserschlacht Lesen und Besprechung von dem Buch: „That’s my mum“ anschließend Gesprächskreis/ Erfahrungsaustausch Eltern sind eingeladen. verschiedene Vorführungen. Austausch beim Büffet.

Wirkung der Maßnahme

Es ist  gelungen, Gesprächsanlässe zu schaffen, in denen die Kinder u.a. über ihr Aussehen, ihre Herkunft, ihre Problemstrategien, ihre Familien und Herkunft reden konnten. Wichtig war es uns, der Zielgruppe zu ermöglichen über Themen zu sprechen, die im Alltag wenig Beachtung finden und für die es keinen wertfreien geschützten Raum gibt. Durch verschiedene pädagogische Methoden und der Haltung von Wertschätzung und Würdigung konnten die Kinder sich öffnen. Aussagen wie: „Ich hau dann direkt zu“, „Ich mag meine Haare nicht, können wir sie für die Modenschau nicht glätten“, „Meine Lieblingsgerichte sind Currywurst mit Pommes und Alloko“, „Zu mir hat mal jemand gesagt, ich sähe aus, als wäre ich in den Dreck gefallen“ geben einen kleinen Einblick.

Eine zentrale Erfahrung, die die Kinder während des Workshops machen konnten, war die Möglichkeit ihre beiden Seiten, sowohl die deutsche, als auch die afrikanische selbstverständlich zu leben, ohne sich für eine Seite entscheiden zu müssen, wie es im Alltag oft gefordert wird. Sie erlebten, dass Kinder und Erwachsene, die ähnlich aussahen wie sie einerseits als Gruppe benannt werden können z.B. als ‚Afrodeutsche‘ ohne deshalb schon einheitlich zu sein. In dieser einen Woche konnten die Kinder ihr Selbstbild, Selbstkonzept, die Selbstwahrnehmung und ihre Identität unbewusst und spielerisch überprüfen und vielleicht konnte der/die eine oder andere sich auf neue Art und Weise erleben. Die Stärkung der Kinder, durch die Vermittlung neuer Sichtweisen auf Selbstwahrnehmung und Ressourcen ist identitätsbildend, ohne dass diese immer ausdrücklich verbal thematisiert werden