Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Aide a la Jeunesse Africaine 2000

Analyse zweier ähnlicher Projekte in Cremona, Italien (Europa), und Possotome, Benin (Afrika), im Baugewerbe

Im Folgenden werden zwei Projekte näher vorgestellt, die ein gemeinsames Problem von kriminellen Jugendlichen in Europa und Straßenkindern in Afrika aufzeigen.

Hauptziel unserer Organisation Jugendhilfe Afrika 2000 ist, Kindern und Jugendlichen in Afrika und Europa tatkräftige Hilfe und Unterstützung zuteil werden zu lassen. Unabhängig davon, ob diese Jugendlichen in Afrika oder anderswo leben – überall treffen sie auf dieselben Probleme: Sie haben Zukunftsängste, keine Perspektiven, es mangelt ihnen an Beratung und vor allem an Informationen, sie kämpfen ständig ums Überleben, suchen nach Orientierung und nach Raum für sich selbst und neigen zu Gewaltanwendung.

Im tagtäglichen Kampf ums Überleben haben die Kinder und Jugendlichen in Afrika bewiesen, dass sie selbständig und unabhängig handeln und Verantwortung übernehmen können und dabei oftmals sehr kreativ an Problemlösungen herangehen. Nicht selten werden sie schon jung in das Arbeitsleben eingeführt – ob sie es wollen oder nicht. In Europa dagegen erfahren Jugendliche staatliche Unterstützung, sei es in Form von Sozialleistungen, Arbeitslosenunterstützung oder Wohngeld; allerdings bietet ihnen diese Art finanzieller Unterstützung keinen realen Ausweg aus ihrer Perspektivlosigkeit.

Die zwei Projekte wurden mit dem Ziel ins Leben gerufen, Jugendlichen aus Europa und Afrika neue Perspektiven zu eröffnen – und zwar auf beiden Kontinenten.

Projekt I:

Projekt im afrikanischen Possotome(Benin) mit straffälligen Jungendlichen aus Europa

Etwa 15 Jugendliche der staatlichen Institutionen für Jugendschutz im belgischen Wauthier-Braine et de Mol halfen bei der Errichtung eines collège d´enseignement secondaire (Schule für Schüler der Sekundarstufe II) in Possotome, Benin. Mit diesem Projekt gaben wir ihnen die Möglichkeit, sich beruflich für das Baugewerbe auszubilden, und nach ihrer Rückkehr nach Belgien entschieden sie sich dafür, in dieser Branche tätig zu bleiben (siehe Anhang, Artikel: „In solidarischer Mission mit straffälligen Jugendlichen“).

Ergebnisprotokoll zu Projekt I:

Positiv:

In Possotome (Benin) wurde ein collège d´enseignement secondaire errichtet.
15 straffälligen Jugendlichen wurde eine Berufsausbildung ermöglicht, sie wurden für die Nachteile und Risiken kriminellen Verhaltens sensibilisiert und haben ihre Perspektive im Baugewerbe gefunden.
Zu der von den Jugendlichen errichteten Schule gehören auch ein Büro für den Schuldirektor, ein Lager für Materialien, wie sie auch für den Bau der Einrichtung verwendet wurden, und sanitäre Anlagen.
Das Erlernen eines Berufs sichert den Straßenkindern nicht nur ihre Zukunft im materiellen Sinn. Gleichermaßen übt es eine enorme psychologische und soziale Wirkung auf sie aus, da es den Jugendlichen ein neues Selbstwertgefühl gibt und Alternativen zu kriminellem Verhalten bietet.

Negativ:

In den Genuss einer Berufsausbildung im Rahmen dieses Projekts kamen nur Jugendliche aus Belgien, jedoch keine aus Afrika.
Gruppenarbeit mit Jugendlichen verschiedener Herkunft, die z. B. den Austausch mit Jugendlichen aus Afrika ermöglicht hätte, fand nicht statt. Sie hätte dazu beitragen können, die Entwicklung sozialer Verhaltensweisen wie Respekt und Toleranz, das gegenseitige Kennen lernen unterschiedlicher Wertvorstellungen und die Überbrückung von Unterschieden zu fördern.

Projekt II:

Projekt im italienischen Cremona mit sozial benachteiligten Jugendlichen aus Afrika

Mit Hilfe unserer Partnerorganisationen in Afrika und Italien ist es uns gelungen, elf Jugendlichen eine Berufsausbildung in Cremona (Italien) zu ermöglichen. Jeder von ihnen konnte maximal von dieser Ausbildung für das Baugewerbe profitieren und mit dem erlangten Wissen zurück daheim beim Wiederaufbau seines Heimatlandes mitwirken. Nach ihrer Rückkehr nach Afrika konnte jeder von ihnen in dieser Branche Fuß fassen (siehe Anhang, Artikel: „Un quartiere per il Congo“).

Ergebnisprotokoll zu Projekt II:

Positiv:

Jeder dieser elf Jugendlichen aus Afrika konnte seine Berufsausbildung in Italien erfolgreich abschließen (s. Foto r.) und keiner von ihnen wollte illegal in Europa bleiben.

Die elf sozial benachteiligten Jugendlichen kamen in den Genuss einer Berufsausbildung, konnten für ihre schlechten Zukunftsaussichten in Europa sensibilisiert werden und haben ihre Perspektive im Baugewerbe in Afrika gefunden.

Das Erlernen eines Berufs sichert den Straßenkindern nicht nur ihre Zukunft im materiellen Sinn. Gleichermaßen übt es eine enorme psychologische und soziale Wirkung aus, da es den Jugendlichen ein neues Selbstwertgefühl gibt und die verbesserte berufliche Perspektive innerhalb Afrikas entscheidend dazu beitragen kann, die illegale Einwanderung nach Europa zu bekämpfen.
Zudem können sie dank ihrer Berufsausbildung andere Jugendliche ausbilden und so als Multiplikatoren in ihrer eigenen Gesellschaft wirken.

Negativ:

Anders als bei den straffälligen Jugendlichen aus Belgien, die in Possotome tätig waren, hinterließen die Jugendlichen aus Afrika kein Gebäude, das an ihre Arbeit in Cremona erinnern würde, da alle Materialien, die sie während ihrer Ausbildung verwandten, nur Übungszwecken dienten.

Gruppenarbeit mit Jugendlichen verschiedener Herkunft, die z. B. den Austausch mit Jugendlichen aus Europa ermöglicht hätte, fand nicht statt. Sie hätte dazu beitragen können, die Entwicklung sozialer Verhaltensweisen wie Respekt und Toleranz, das gegenseitige Kennenlernen unterschiedlicher Wertvorstellungen und die Überbrückung von Unterschieden zu fördern.

Kostenanalyse beider Projekte:

Projekt I: Projekt im afrikanischen Possotome (Benin) mit straffälligen Jugendlichen aus Europa
Errichtung eines collège d´enseignement secondaire in Possotome, Benin; berufliche Ausbildung der straffälligen Jugendlichen für das Baugewerbe.

Die Kosten für dieses Projekt konnten geringer gehalten werden als ursprünglich veranschlagt und belaufen sich insgesamt auf lediglich 2.800.000 FB (69.478 €).

Projekt II: Projekt im italienischen Cremona mit sozial benachteiligten Jugendlichen aus Afrika

Für dieses Projekt betragen die Kosten und Aufwendungen insgesamt 80.559,42 €.

Daraus ergibt sich zwischen den beiden Projekten eine Differenz von 11.079 €.

Hinsichtlich der Ergebnisprotokolle zu den beiden Projekten sind wir zu dem Schluss gekommen, dass man zur Lösung der oben genannten Probleme die Jugendlichen am besten in Afrika ausbildet und von Zeit zu Zeit als Follow-Up die einzelnen Gruppen wiederum in Afrika zusammen führt, um den Zusammenhalt zu stärken und damit ein optimales Ergebnis zu erzielen. Es sei daran erinnert, dass diese Art von Projekten auch in anderen beliebigen Gewerben oder Berufszweigen möglich ist. Das Problem der illegalen Einwanderung nach Europa langfristig zu bekämpfen erfordert die Suche nach alternativen nachhaltigen Lösungsmöglichkeiten, die von Fall zu Fall an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden können, um den Hauptursachen für die Verhaltensweisen der afrikanischen Jugendlichen optimal Rechnung zu tragen. Die illegale Einwanderung bekämpfen heißt, alle Formen von Hilfe und solidarischen Aktionen für die Kinder und Jugendlichen zu fördern und zu unterstützen. Die Jugendlichen haben ein Anrecht darauf, über die Unannehmlichkeiten und Gefahren, die sie in Europa als illegale Einwanderer erwarten, in jeder Hinsicht informiert und aufgeklärt zu werden.