Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Aide a la Jeunesse Africaine 2000

Alternativvorschläge von JHA 2000 e.V. zu EU- Justiz- InnenministerInnen und EU-Kommission Bekämpfung illegaler Einwanderung nach Europa.

In einer Zeit, in der die Debatte über illegale Einwanderung in Europa hohe Wellen schlägt, fehlt es in den Ursprungsländern der MigrantInnen an Informations- und Sensibilisierungsmaßnahmen. Zudem sind die Gesellschaften dieser Länder auch nicht am Dialog über angemessene global und lokal aufeinander abgestimmte Alternativen beteiligt. In der gesamten Debatte erscheint die illegale Einwanderung wie ein Phänomen, das allein Sache der Industrieländer ist.

Deshalb möchten wir die Debatte, die nach den Treffen der EU-Innenminister in Scheveningen und in Florenz über den deutsch-italienischen Vorschlag entbrannt ist, Anlaufstellen oder Lager für Immigranten und Asylbewerber in Nordafrika einzurichten, gern aufgreifen, um unsere Alternativen einzubringen. Es wäre sicherlich zu begrüßen, wenn die Diskussion über das Problem der illegalen Einwanderung, die unter anderem tagtäglich viele Frauen, Kinder und Jugendliche das Leben kostet und zurzeit vor großer Öffentlichkeit aufgerollt wird, sich letztendlich als nützlich erweisen könnte.

Jugendhilfe Afrika 2000 e. V. ist eine NGO, Mitglied des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes DPWV und wurde am 22.8.1999 gegründet – 20 Tage nachdem die Leichname der zwei afrikanischen Jungen Yanguine Koita (14) und Fodé Tounkara (15) im Fahrwerkschacht eines belgischen Verkehrsflugzeugs (Sabena) aufgefunden wurden.

Diese jungen Leute stehen mit ihrem dramatischen Schicksal nicht allein da. Die leblosen Körper der Ertrunkenen an Spaniens Stränden und vor Italiens Küsten zeugen von unzähligen, ähnlich tragischen Fällen. Würden Menschen das alles riskieren, wenn man ihnen bessere Perspektiven vor Ort böte?

Eine Antwort auf diese Frage zeigt das Beispiel der elf jungen Afrikaner, die wir kürzlich im italienischen Cremona ausgebildet haben und die alle nach Afrika zurückgekehrt sind, weil sie zu Recht davon überzeugt waren, dort nun eine sichere Zukunftsperspektive zu haben.

Ziel unserer Organisation Jugendhilfe Afrika ist es, die illegale Einwanderung strategisch zu bekämpfen und nachhaltige Lösungsalternativen zu finden, die die von Fall zu Fall an lokale Gegebenheiten angepasst werden können, um den Hauptursachen für das Verhalten der afrikanischen Jugendlichen optimal Rechnung zu tragen. Illegale Einwanderung bekämpfen heißt, alle Formen von Hilfe und solidarischen Aktionen für die Kinder und Jugendlichen ausschöpfen, fördern und unterstützen.

Dabei bilden unsere Aktivitäten in Afrika nur eine der zwei Hauptachsen unserer Strategie und ergänzen unsere Tätigkeit auf europäischem Boden. In Afrika wie in Europa und anderswo versuchen wir Kindern und Jugendlichen Perspektiven zu bieten, echte Chancen, eine Ausbildung – kurzum eine richtige Zukunft.

In den 1960er und 1970er-Jahren nahm Afrikas Jugend noch nicht die tödlichen Risiken der illegalen Einwanderung nach Europa auf sich. Welcher existenzielle Druck bewegt also heute afrikanische Jugendliche, ihr Leben zu riskieren, um nach Europa zu gelangen? Emigration ist eine psychisch und sozial schmerzliche Erfahrung, die man nicht unterschätzen darf: Man verlässt seine Heimat, seine Freunde, seine Wurzeln und seine Nation, um anderswo eine Chance zu suchen.

Der weitaus größte Teil der Jugendlichen glaubt, die Industrieländer, speziell Europa, böten die geeignete Lösung für ihre Probleme. Eine zweite Gruppe hält es für besser, vor Ort zu bleiben und sich dort zu behaupten. Diese zweite Gruppe kämpft zu Hause ums Überleben, scheitert jedoch oft, weil es dort an Unterstützung jeglicher Art – technischer (z. B. fundierte Berufsausbildung), materieller, finanzieller und organisatorischer – mangelt. Entmutigt von solchen Rückschlägen schließt sich fast die Hälfte dieser zweiten Gruppe letztlich der ersten Gruppe an. Die wenigen vorhandenen Initiativen von Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen gilt es zu fördern, um ein Zeichen zu setzen und die erste Gruppe der Auswanderer zu entmystifizieren, die ihre Zukunft in Europa zu sehen glaubt.

Den Jugendlichen aus ärmeren Bevölkerungsschichten oder aus sozial benachteiligten Milieus – sozusagen den zukünftigen Auswanderern – muss unserer Meinung nach Hilfe gegeben werden, die durch Armut verursachten wirtschaftlichen und sozialen Probleme in Afrika zu überwinden. Letztlich sind diese Probleme verursacht durch die gegenwärtige Benachteiligung Afrikas, die durch nichts zu rechtfertigen ist. Gerade in Zeiten der sich verschärfenden Globalisierung von Gütern und Dienstleistungen muss aber darauf geachtet werden, dass die Menschen in ihren Heimatländern bleiben, denn nur so lässt sich die illegale Einwanderung nachhaltig bekämpfen.

Das oben schon erwähnte Projekt in Cremona, bei dem elf afrikanische Jugendliche eine Ausbildung in Italien erhielten , ist ein Beispiel für eine solche Jugendentwicklungshilfe und zeigt, dass die zweite Gruppe derjenigen, die vor Ort in Afrika bleiben, durchaus erfolgreich sein kann, wenn sie eine Chance erhält. Es hat Signalwirkung im Kampf gegen die illegale Einwanderung – auch für andere Branchen. Als Modellbeispiel für das Sich-Behaupten vor Ort strahlt es auch auf andere afrikanische Jugendliche aus und kann dazu beitragen, die Zahl der illegalen Einwanderer in Europa zu reduzieren.

Nachdem wir Möglichkeiten mit verschiedenen Partnerorganisationen in Deutschland, Belgien, Frankreich und Italien sondiert hatten, gelang es uns schließlich, eine Gruppe von sozial benachteiligten jungen Afrikanern ganz offiziell nach Italien einzuladen, wo sie eine Ausbildung im Baugewerbe erhielten. Die elf Jugendlichen wurden im italienischen Cremona mit Unterstützung afrikanischer und italienischer Partnerorganisationen ausgebildet, über ihre beruflichen Chancen in Europa und Afrika aufgeklärt und vom Sinn ihrer Rückkehr nach Afrika überzeugt. Alle zogen großen Nutzen aus ihrer Ausbildung und kehrten auf den schwarzen Kontinent zurück, wo sie seither ihr Fachwissen einsetzen konnten, um am Aufbau ihrer Heimat mitzuwirken. Jugendhilfe Afrika 2000 e. V. und ihre Partnerorganisationen wollen nun weiteren afrikanischen Jugendlichen ermöglichen, eine Berufsausbildung im Rahmen von Bauprojekten in Afrika zu absolvieren. Auch dabei soll auf jeden Fall wieder der illegalen Einwanderung nach Europa durch Aufklärung und Information entgegengewirkt werden, in ganz bestimmten Fällen sollen jedoch auch offizielle Einreisegenehmigungen erwirkt werden.

Mit dem Projekt in Cremona wollten JHA 2000 e.V. und ihre Partner vor allem verdeutlichen, dass afrikanische Jugendliche – ganz gleich, ob sie nun auswandern oder in Afrika bleiben – auf jeden Fall imstande sind zu lernen, erfolgreich eine Ausbildung abzuschließen und Fachwissen zu erwerben, anzuwenden und, sofern in ihrer Heimat akzeptable Bedingungen vorliegen, ihre Fähigkeiten zum Nutzen ihrer Gesellschaft einzusetzen. Die Ursachen dafür, dass ihre eigenen Länder ihnen diese Möglichkeiten nicht bieten können, liegen nicht allein in Afrika. Gerade deshalb bedarf es internationaler Unterstützung, damit den Jugendlichen Chancen und Perspektiven vor Ort geboten werden können. Mit internationaler Hilfe werden wir imstande sein, einen substanziellen Beitrag zur Bekämpfung der illegalen Abwanderung afrikanischer Jugendlicher zu leisten.

Auf der anderen Seite plädieren wir mit allem Nachdruck für legale Einwanderung – Europa darf keine Festung werden, erst recht nicht in Zeiten der Globalisierung. Einwanderung muss das positive Image zurückerhalten, das sie früher hatte, sie muss in legalen Strukturen kanalisiert werden, um sie in eine positive und konstruktive Kraft zu verwandeln! Somit ist die internationale Gemeinschaft gefordert, zusammen mit allen Betroffenen geeignete Strategien zu finden, die den sozialen Bedingungen Rechnung tragen, um mit internationalem Engagement die gegenwärtigen Probleme und ihre Ursachen anzugehen und praktische und humane Alternativen zu finden.

Mit diesem Ziel vor Augen möchten wir hier einen Projektentwurf zu einem internationalen Seminar zur Entwicklung von Strategien zur gewaltlosen Bekämpfung illegaler Einwanderung in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft der Entwicklungsländer vorstellen. Das Seminar soll in Marokko oder einem nordafrikanischen Land stattfinden.

Es ist unseres Erachtens gerade angesichts der fortschreitenden Globalisierung höchste Zeit, dass Europa und Afrika sich dieses großen Problems annehmen und endlich versuchen, gemeinsam konkrete Lösungen zu finden, statt es totzuschweigen. Wir müssen den Mut aufbringen, das Problem energisch und partnerschaftlich anzugehen und den realen, tiefer liegenden Ursachen ins Auge zu sehen. Geeignete Strategien können aber nur unter Beteiligung aller Betroffenen erarbeitet werden, das heißt also mit Partnern aus den Zivilgesellschaften der Ursprungsländer.

In Bezug auf den Betrieb von Zentren außerhalb der EU-Grenzen, wie sie von der EU favorisiert werden, hegen Jugendhilfe Afrika 2000 e. V. und ihre Tochterorganisationen freilich juristische Bedenken; wir befürchten, dass unter den Augen der Behörden der betroffenen Länder ein zweites SANGATTE – bzw. mehrere – entstehen und Schlepper, Schmuggler etc. anziehen könnten. Schon allein diese Befürchtungen rechtfertigen eine Infragestellung und eine neue Diskussion dieser Problematik, die mit Sicherheit Lösungen zeitigen kann, die für alle Seiten akzeptabel wären.

Natürlich ist uns bewusst, dass nachhaltige Lösungen für dieses sehr komplexe Problem nur in einem langfristig angelegten Prozess entstehen können, dass also in kurzfristigen, aber auch in mittel- und langfristigen Dimensionen gedacht werden muss. Die Lösungen müssen die tiefer liegenden Ursachen der Emigration berücksichtigen, weshalb die Beteiligung der Ursprungsländer und ihrer Bevölkerung an der Diskussion und Lösungsfindung absolut unerlässlich ist.

Jugendhilfe Afrika 2000 e. V. und ihre Tochterorganisationen und Partnerorganisationen in Afrika – wie die NGO FAM²DES (Forum Alternatif aux Modèles et Méthodes de Développement Economique et Social), deren Arbeit sich auf 16 afrikanische Länder und die Suche nach Alternativen für deren Entwicklungsprobleme konzentriert –, sind bereit, sich mit ihrem Know-how an der Lösung der Einwanderungsproblematik zu beteiligen.

Die internationale Öffentlichkeit geht zurzeit allgemein davon aus, dass die afrikanischen Jugendlichen, die nach Europa emigrieren wollen, dies meist in der Hoffnung auf bessere Berufsperspektiven oder einen besseren Lebensstil tun. Wenn dies aber wirklich die tiefer liegenden Ursachen sind, die die jungen Menschen zur Emigration bewegen, warum kann man sie dann nicht vor Ort ihren Heimatländern statt in nordafrikanischen Lagern oder Zentren dazu motivieren, die gesuchten besseren Lebensbedingungen bei sich selbst zu schaffen? Wenn wir in Afrika Kleinprojekte durchführen, den jungen Menschen nachhaltige Beschäftigung sichern, setzen wir damit ganz direkt etwas der illegalen Einwanderung nach Europa entgegen. Bereits jetzt arbeitet Jugendhilfe Afrika 2000 e. V. daran, berufliche Zukunftsperspektiven vor Ort in Afrika zu schaffen und die Bevölkerung für die Schwierigkeiten zu sensibilisieren, die junge Afrikaner in Europa erwarten.

Tatsächlich ist das Problem der afrikanischen Emigration in Richtung Europa vor allem deshalb so gravierend, weil es an sachlich richtigen Informationen über die Lebensbedingungen der Einwanderer in ihren Gastländern mangelt und an materieller Unterstützung und an Initiativen fehlt, um dieser Emigration entgegenzuwirken. Diesem Umstand muss bei der Erarbeitung künftiger Strategien im Kampf gegen illegale Einwanderung stärker Rechnung getragen werden. Die Maßnahmen von Jugendhilfe Afrika 2000 e. V. und ihren Tochtervereinen und Partnerorganisationen in Afrika setzen also an der Wurzel an. Sobald die Bevölkerung erst einmal besser über die prekären Lebenssituation der Einwanderer in Europa informiert ist und dieses Wissen in ihrer Zukunftsplanung berücksichtigen, werden die wenigsten noch dorthin auswandern wollen. Jugendhilfe Afrika 2000 e. V. und ihre Partner in Afrika wollen weiterhin auf diese gewaltlose und sachliche Abschreckungsstrategie setzen, um Ausreiseinteressierte schon im Heimatland davon abzubringen, ihr Leben zu riskieren wie so viele ihrer Landsleute. Für diese Aufgabe benötigen die JHA-Partnerorganisationen in Afrika übrigens noch realistische Bilder und Anschauungsmaterial zur realen Situation der Einwanderer in Europa.

Dieser Brief wäre unvollständig, versäumte man ein anderes Beispiel anzuführen, das dem von Cremona (Italien) ähnlich ist und auch im Baugewerbe realisiert wurde. Dabei handelt es sich um ein Projekt, mit dessen Hilfe straffällig gewordene europäische Jugendliche dafür sensibilisiert wurden, welche Lebensperspektiven ihnen eine Berufsausbildung eröffnen kann. Konkret reisten hier 15 Jugendstraftäter nach Benin (Possotome), um dort eine Bauausbildung zu absolvieren und eine Sekundarschule zu errichten (vergleichende Projektanalyse Possotome/ Cremona siehe Anlage).

Wir sind fest davon überzeugt, dass diese beiden Beispiele nicht nur im Bausektor, sondern auch in anderen zukunftsfähigen Branchen wiederholt werden können und damit ein effizienter Beitrag zur Bekämpfung von Kriminalität in Europa und illegaler Einwanderung von Afrika nach Europa geleistet werden kann.

Wir legen Ihnen unseren Projektentwurf für ein Internationales Seminar zur Entwicklung von Strategien zur gewaltlosen Bekämpfung illegaler Einwanderung in Zusammenarbeit mit unseren Partnern in Afrika vor, weil wir glauben, dass wir so die Grundlagen für eine stärkere Sensibilisierung von potenziellen illegalen Einwanderungen in ihrem Ursprungsmilieu schaffen werden. Anlässlich dieses Seminars bietet sich für Jugendhilfe Afrika 2000 e. V. und ihre afrikanischen Tochterorganisationen in Afrika die Gelegenheit, ihren globalen Strategieplan für alternatives Handeln vorzustellen und zu aktualisieren, der letztendlich in konkrete lokale Projekte sowohl in Europa wie in Afrika umgesetzt werden sollte, um so einem Phänomen entgegenzuwirken, das in den Ursprungsländern mindestens ebenso viele Probleme verursacht wie in den Aufnahmeländern.

Projektentwurf für ein internationales Seminar

Thema: Entwicklung von Strategien zur gewaltfreien Bekämpfung von illegaler Einwanderung in Industriestaaten in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in den afrikanischen Ländern

Jugendliche sind das schwächste Glied einer Gesellschaft und sollten mit ihren Problemen nicht alleine bleiben. Werden ihre Interessen außer Acht gelassen, liegt der Gedanke an Auswanderung nahe. Die JHA möchte junge Menschen in Afrika und in der Diaspora unterstützen, damit sie durch Förderung vor Ort in ihrem Heimatland aus der Spirale von schlechter Ausbildung und Arbeitslosigkeit herauskommen. Die Schaffung von wirtschaftlichen und sozialen Alternativen im Ursprungsland verstehen wir als einen Beitrag gegen illegale Einwanderung.

Die Jugendhilfe Afrika geht davon aus, dass die jungen Menschen ohne eine Sensibilisierung für die Ursachen und Risiken nicht daran gehindert werden können, ihr Land zu verlassen. Sie fragen sich, warum es ihrem Land so schlecht geht und ob Hilfeleistungen aus dem Ausland wirklich ein Segen ist. Dieser Pessimismus lässt sie glauben, dass ihr Heil in den Ländern des Nordens liegt. Der Mythos vom Schlaraffenland im Norden muss abgebaut werden. Gleichzeitig müssen die Auswanderer widerlegt werden, die sich ihr Scheitern nicht eingestehen können und daher gegenüber ihren Landsleuten den Westen als Paradies beschreiben. Auch in europäischen Ländern gibt es viel mehr Leid als man sich in Afrika vorstellen kann. Vor diesem Hintergrund möchte die JHA Beratungsstellen einrichten, um bei jungen Afrikanern in ihren Ländern und auch in Europa das Bewusstsein für diese Situation zu schärfen.

Es ist nicht möglich, wirksam ein Übel zu bekämpfen, das nicht klar erkannt ist. Scheinbar wird in Europa alles getan, um weitere Einwanderung abzuschrecken, dabei werden jedoch die Ursachen für die Emigration übersehen. Besser ist es die tatsächlichen Gründe anzugehen, Lösungen im Ursprungsland zu finden, da noch so repressive Maßnahmen in Europa kein Hinderungsgrund für eine Emigration darstellen. Diese jungen Menschen sind bereit zu leben und zu sterben.
Täglich sind Schreckensbilder von Ertrunkenen in den Medien, die meisten von ihnen junge Menschen. Diejenigen, die heil ankommen und gefasst werden, schickt man einfach zurück ohne Fragen nach ihren Beweggründen zu stellen. Später beginnen sie das Abenteuer auf ein Neues, bis zum Erfolg oder zur Tragödie.

Auswanderung gab es schon immer und die meisten Besiedelungen auf der ganzen Welt gehen darauf zurück. Schon immer sind die Leute weg gezogen, um neue Gebiete zu erschließen, sei es auf wirtschaftlichen oder politischen Druck hin oder um günstig am Wohlstand anderer Völker teilzuhaben.

Die Globalisierung versprach Wohlstand und soziale Gerechtigkeit überall auf der Welt infolge der Öffnung der Märkte für die „Armen“. Überzeugend ist diese Aussage für Auswanderungswillige nicht gerade. Der Markt hat ihnen in der Tat keinerlei Perspektiven eröffnet und es bleiben ihnen zwei Möglichkeiten zur Auswahl: ein langsames Sterben infolge von Elend, Krieg, Unterdrückung, Plünderung der Rohstoffe in ihrem Land oder eine ungewisse Zukunft jenseits der Grenzen. Daher gehen diese Menschen das Risiko ein, in der Meerenge von Gibraltar zu ertrinken oder im Fahrwerkschacht eines Flugzeuges auf dem Weg nach Europa, in die USA oder Kanada oder neuerdings auch in die Tigerstaaten Asiens zu erfrieren. Sie verlassen ihre Familien und Freunde nicht aus Vergnügen. Sie suchen woanders, was sie bei sich zu Hause finden sollten, wenn die Welt nicht so sehr von wirtschaftlichen Ungleichgewichten gezeichnet wäre.

Sobald sich Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung im Heimatland abzeichnen kommt es ganz selbstverständlich zu einer Rückkehrwelle, auch der Illegalen und ganz ohne Polizeieinsatz. Zur Zeit haben z.B. Südafrika, Mozambique und Botswana nicht nur weniger Auswanderungen und eine nennenswerte Anzahl an Rückkehrern zu verzeichnen, sondern sie ziehen sogar junge, ausgebildete Menschen aus den Nachbarländern an.

Die jungen Menschen in den Entwicklungsländern sind in erster Linie Opfer mangelnder Information oder Falschinformation. Dank der neuen Technologien werden weltweit idyllische Bilder aus dem Westen ausgestrahlt. So legt z.B. Werbung empfänglichen Kindern und Jugendlichen nahe, dass alle Leute in Europa und den Vereinigten Staaten besser als sie leben. Fügt man noch die Geschichten hinzu, die Auswanderer während ihres Heimaturlaubs erzählen, dann können sich die jungen Menschen kaum ein Bild von den Schrecknissen eines Daseins im Exil oder in der Illegalität in Europa oder den USA machen.

Dieses Seminar wird als äußerst wichtig erachtet, da der überwiegende Teil der Bevölkerung in Afrika über keinerlei Informationen über die Risiken einer Auswanderung verfügt. Klärt man sie auf, werden sie wach und können die Zusammenhänge verstehen.

Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen ist die Mithilfe von Partnerorganisationen erforderlich.

Zur Eindämmung des Phänomens der illegalen Einwanderung braucht es lokale, nationale und internationale Alternativen und Aufklärungsarbeit. In diesem Sinne versteht sich dieses Seminar als Vorbereitung zu weiteren Aktionen, die konkret auf die illegale und unnötige Einwanderung und ihre Ursachen abzielen.
Dazu gibt es eine ganze Reihe positiver Reaktionen von Seiten der angeschriebenen Minister.

Die JHA vermeldet ihren Partnern mit Freude die Gründung in diesem Jahr von AJA-CAN (Jugendhilfe Afrika in Kanada), AJA-TOGO (Jugendhilfe Afrika in Togo), AJA- Grand-Kasaï (Jugendhilfe Afrika in Grand-Kasaï), AJA-BE (Jugendhilfe Afrika in Belgien) und von AJA-Congo-Kinshasa. Diese Jugendhilfevereine wurden als selbständige Organisationen gegründet und haben sich denselben Zielen wie unsere Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. verschrieben.