Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Aide a la Jeunesse Africaine 2000

Unter der Schirmherrschaft von Prof. Rita Süssmuth nimmt Tshikudi Londji, Vorstandssprecher der Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. an dem Leadership-Programm der Bertelsmannstiftung teil.

Die Bertelsmann Stiftung startete in einem ersten Durchgang (von Herbst 2007- Sommer 2008) ein Leadership-Programm für 30 junge Führungskräfte aus Migrantenorganisationen. Es handelt sich hierbei um ein Qualifizierungs- und Vernetzungsprogramm für junge Verantwortungsträger aus vorzugsweise bundes- oder landesweit tätigen Zuwandererorganisationen.
Die ehemalige Bundestagspräsidentin Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth unterstützte das Leadership-Programm als Schirmherrin: "Fortschreitende Globalisierung und weltweite Migration haben unsere Gesellschaft tiefgreifend verändert. Dieser Prozess stellt große Anforderungen an Politik und Gesellschaft. Wir alle sind beteiligt und gefordert. Wir brauchen mutige Menschen, die kulturelle Vielfalt als Chance begreifen und sich für ein friedliches Zusammenleben in Deutschland engagieren. Deshalb freue ich mich über die Initiative der Bertelsmann Stiftung, den Beitrag der Organisationen von Zuwandererinnen und Zuwanderern für die Integration herauszustellen und zu stärken. Junge Menschen, die hier Verantwortung übernehmen, sind wichtige "Brückenbauer für Integration"(vgl. Flyer zum Leadership-Programm)."
Die Brückenbauer der Integration stärken: Ein Leadership-Programm für junge Führungskräfte aus Migrantenorganisationen
Die Integration der Zuwanderer ist eines der zurzeit wichtigsten Themen der politischen Agenda in Deutschland. Der neue nationale Integrationsplan stellt einen Meilenstein für ein modernes Integrationsverständnis in Deutschland dar. Die Bedeutung von Migrantenorganisationen für die gleichberechtigte Teilhabe von Zuwanderern an der Gesellschaft und für die soziale Stabilität wird im Integrationsplan hervorgehoben. Migrantenorganisationen funktionieren als "Brücke" zur Aufnahmegesellschaft, indem sie die Standpunkte und Interessen der Zuwanderer vertreten, aber auch die Erwartungen und die Prinzipien des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Aufnahmegesellschaft in die Zuwandererkreise transportieren. Dies sind wichtige integrative Funktionen.
Den Führungskräften kommt in allen Migrantenorganisationen eine besondere Rolle bei der Integration zu, da sie die zukünftige strategische Ausrichtung der Organisationen maßgeblich bestimmen. Darüber hinaus spielen engagierte Persönlichkeiten, die sich in solchen Organisationen betätigen, für die Integration eine Schlüsselrolle als "role models": Als "Brückenbauer" können sie Positionen, Normen und Interessen zwischen der Aufnahmegesellschaft und den Migranten vermitteln.

Migrantenorganisationen bieten Orientierungs-, Selbsthilfe- und Schutzfunktionen und ermöglichen den Zuwanderern untereinander und mit der Aufnahmegesellschaft in Kontakt zu treten und ihre Interessen zu vertreten. Diese wichtigen integrativen Funktionen werden in der öffentlichen Wahrnehmung nicht immer gesehen: teilweise gelten Zuwanderervereine als "Parallelgesellschaften". Tatsächlich gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster Vereinigungen, die lokal, regional, landes- oder bundesweit organisiert sind und deren Arbeitsfelder sowie demokratisches und integratives Selbstverständnis stark variieren.
Zurzeit findet in vielen Vereinigungen ein Generationenwechsel statt: Die erste Zuwanderergeneration, die bisher tonangebend war, wird von jüngeren Kräften der zweiten und dritten Generation "abgelöst", die andere Erwartungen an das eigene ethnische Milieu und die Mehrheitsgesellschaft haben. Dieser Generationswechsel eröffnet Chancen für einen neuen gesellschaftlichen Dialog mit den Vereinigungen von Zuwanderern.

Projektziele

Mit den bedarfsgerechten Qualifizierungsmaßnahmen des Programms wurden im Einzelnen folgende Ziele verbunden:
• die individuelle Handlungskompetenz der jungen Führungskräfte erweitern und sie in ihrem Engagement für Integration unterstützen;
• die jungen Führungskräfte bundesweit vernetzen und damit die überethnische Zusammenarbeit der Migrantenorganisationen unterstützen.
• für die Gesellschaft und Politik wichtige Ansprechpartner aus Zuwanderermilieus zu Fragen der Integration identifizieren und den Austausch mit ihnen ermöglichen.
Nachhaltige Wirkungen entfaltet das Leadership-Programm, wenn es dazu beiträgt,
• das demokratische und integrative Selbstverständnis der Migrantenorganisationen zu stärken;
• die Präsenz, aber auch die Öffnung und Transparenz von Migrantenorganisationen gegenüber der Aufnahmegesellschaft zu erhöhen und damit ihre positive Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung zu verstärken;
• den Professionalisierungsgrad von Migrantenorganisationen im Blick auf das Handeln ihrer Führungskräfte zu verbessern;
• die Partizipationsmöglichkeiten der Migrantenorganisationen in Politik und Gesellschaft zu erweitern.

Projektverlauf

Das Leadership-Programm 2007/2008 umfasste Maßnahmen zur Vermittlung von Werthaltungen, instrumentellen Kenntnissen und Fachwissen an die Teilnehmer, die dadurch befähigt wurden effektiver als "Brückenbauer der Integration" tätig zu sein. Die Qualifizierungsmaßnahmen umfassten folgende vier Bereiche: Demokratische Spielregeln, Kommunikation & Public Relations, Leadership und Projektmanagement.
Die Qualifizierungsmaßnahmen fanden in Form von vier, über den Zeitraum eines Jahres verteilten Wochenendseminaren statt. Eine erste Gruppe von ca. 30 Teilnehmern startete im Herbst 2007 und absolvierte das Programm bis Sommer 2008. Eine zweite Gruppe (Durchgang 2008/2009) folgte im Herbst 2008 und wird das Programm bis Sommer 2009 durchlaufen haben. Die Bertelsmann Stiftung übernimmt die Reise- Übernachtungs- und Seminarkosten. Jeder Teilnehmer erhält am Ende der Qualifizierung ein Zertifikat.
Im Herbst 2009 ist ein Netzwerktreffen geplant, auf dem u.a. die Projekte der Teilnehmer der ersten Gruppe präsentiert werden.

Inhalte der Qualifizierungsmaßnahmen

I. Demokratie mitgestalten:
Das Seminar im Bereich "Demokratische Spielregeln" wurde wie folgt aufgebaut:
Lernziele
• die eigenen Einstellungen und Werte wie auch die von anderen wahrnehmen
• Interessen einbringen und Konflikte konstruktiv bearbeiten
• ein werthaltiges Demokratie- und Politikverständnis vertiefen
Inhalte
• qualitatives Demokratieverständnis
• Konfliktbearbeitung über Dilemmatawahrnehmung
• Grundgesetz als Werte- und Handlungsrahmen
• Funktionsweise demokratischer Politik
II. In der Gesellschaft präsent sein
Das Seminar im Bereich "Kommunikation & Public Relations" wurde wie folgt aufgebaut:
Lernziele
• Sich mit den eigenen Anliegen in der Öffentlichkeit darstellen und Aufmerksamkeit erreichen
• Präsenz in der Öffentlichkeit verbessern
Inhalte
• Funktionsweise von Medien
• Bild von Migranten in den Medien
• Professionelle PR-Kommunikation und Agenda-Setting
III. Führen in Zeiten des Wandels
Das Seminar im Bereich "Leadership" wurde wie folgt aufgebaut:
Lernziele
• die eigene Führungsrolle reflektieren
• sich seiner Ziele bewusst werden
• Lösungen zu institutionellen Problemen erarbeiten
• Wandel in vorhandenen Strukturen anstoßen
Inhalte
• Konzept und Praxis von Leadership
• Gemeinsame Problemanalyse und Lösungsfindung durch "peer consultation"
• Machtstrukturen in sozialen Gruppen erkennen

IV. Projekte erfolgreich durchführen
Das Seminar im Bereich "Projektmanagement" wurde wie folgt aufgebaut:
Lernziele
• die Motivation und Mitwirkung
• Aktionen professionell planen und gemeinsam durchführen
• Ressourcen organisieren
Inhalte
• Moderation und Konsensfindung
• partizipatives Projektmanagement
• Fundraising
Methoden
Die Lerninhalte wurden mit unterschiedlichen Methoden bearbeitet: auf den Seminaren überwogen Erfahrungsorientierte und diskursive Ansätze, für die Zeit zwischen den Seminaren war selbstständiges Lernen bzw. Selbststudium von thematisch relevanten "Studienbriefen" bzw. Literatur vorgesehen.

Gearbeitet wurde u.a. mit dem Demokratietrainingsprogramm "Miteinander - Erfahrungen mit Betzavta" und mit Methoden der "Technology of Participation". Diskussionen mit ausgewählten Experten und Vertretern aus Politik und Gesellschaft wurden für alle Seminare veranstaltet.
Teilnehmer aus folgenden Migrantenorganisationen nahmen an dem Leadership-Programm teil:

- Jugendhilfe Afrika 2000 e.V., Köln
-Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände
in Deutschland, Bonn
- European Assembly of Turkish Academics Baden-
Württemberg, Stuttgart
- Kreisjugendring Rems-Murr, Murrhardt
- Griechisch-Türkische Freundschaft, Köln
- Türkisch-Islamische Union (DITIB), Köln
- Essener Verbund der Immigrantenvereine, Essen
- Alevitische Gemeinde Deutschland, Bünde
- Landsmannschaft der Deutschen aus Russland,
Regensburg
- Türkische Gemeinde in Deutschland, Berlin
- Jugend- und Studentenring der Deutschen aus
Russland NRW, Düsseldorf
- IODC -The International Organization for Development
and Cooperation, Bielefeld
- Bundesverband spanischer sozialer kultureller Vereine,
Remscheid
- Forum der jungen Koreaner in Deutschland, Krefeld
- Verein der Lehrer(innen) für Islamkunde in deutscher
Sprache, Duisburg
- Kamerunischer Verein, Aachen
- Mädchennotdienst Wildwasser, Berlin
- Arbeitsgemeinschaft für die Ausländerbeiräte
Brandenburg AGAB, Eberswalde
- Türkische Gemeinde in Deutschland NRW, KölnLiberale Türkisch-Deutsche Vereinigung, Bonn
- Landsmannschaft der Deutschen aus Russland,
Kassel
- Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf,
Hannover
- Internationaler Koordinierungskreis NürtingenBosnisches Kulturzentrum Gemeinde Witten, Witten
- Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Rheinland-
- Pfalz AGARP, Frankfurt a. M.
- TEMA – Stiftung für den Naturschutz, Köln
- European Turkish Union, Duisburg
- Interkulturelle Begegnungsstätte IKB, Hamburg
- Netzwerk Deutsch, Troisdorf
- Deutsch-Türkisches Forum Stuttgart, Stuttgart