Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Aide a la Jeunesse Africaine 2000

Dokumentations-Bericht über das Jugendcamp Black and White mit 120 Kinder in Marl

Am Freitag, den 26.05.2006 fand ein Fußballcamp, zur Bekämpfung von Rassismus und zur Förderung der Verständigung von ausländischen und nicht-ausländischen Kindern und Jugendlichen, in Marl statt.

1.Tag: Ankunftstag in Marl

Um 13:00 Uhr trafen sich die Kölner Kinder an den Jahnwiesen um gemeinsam mit Christian Schulz und Josef Londji, zwei Verantwortliche der JHA, um 13:35 nach Marl zu fahren. Durch Rätselspiele während der Fahrt gelang es den beiden Betreuern die zunächst etwas angespannte Stimmung zwischen den Kindern zu verbessern.

Bei der Ankunft im Camp, die bedingt durch Stau später als erwartet war (Ankunftszeit statt um 14:30 erst um 15:50), befanden sich die Kinder aus Dortmund und Gelsenkirchen bereits beim Training auf dem Fußballplatz. Die Kölner Kinder zogen sich um, um so schnell wie möglich ebenfalls trainieren zu können, was bis 17:30 getan wurde. Diese Kinder bildeten die 1. Gruppe der 9-12 Jährigen.

Das gemeinschaftliche Abendessen fand um 18:15 statt. Die Kinder waren sehr laut und verhielten sich unruhig sowie undiszipliniert.
Danach, um 19:00, erfolgte eine Befragung (Vorbefragung zur Evaluation der Maßnahme aus Sicht der Kinder) der in zwei Gruppen aufgeteilten Kinder. Pro Gruppe gab es zwei Betreuer zur Unterstützung bei der Beantwortung des Fragebogens, welche ruhig verlief.
Anschließend fand eine Diskussionsrunde über Freundschaften, Zusammenhalt und Ausländerfeindlichkeit statt, die aufgrund dessen, dass die Kinder sehr undiszipliniert und unruhig waren kurzfristig beendet werden musste. Den Kindern konnten lediglich Anregungen gegeben werden.

Schließlich wurden noch Fußballszenen auf dem Laptop gezeigt und um 22:00 begann die Bettruhe.

2.Tag

Der Tag begann mit einem stärkenden Frühstück um 08:00 Uhr. Alle Kinder erschienen pünktlich und es gab keine disziplinären Probleme während des Frühstücks.

Um 10:00 Uhr fand eine Trainingseinheit statt. Die 9-12 Jährigen wurden von den Trainern der Fußballschule trainiert. Allerdings mussten diese feststellen, dass es zum Teil sehr schwierig sei mit den Kindern zu arbeiten, da diese sehr undiszipliniert und unruhig seien.

Um 11:00 Uhr kam der WDR zu Besuch, um mit der Dokumentation des Camps zu beginnen.

Ab Mittag wurde die Gruppe ruhiger. Dadurch, dass sich die Kinder untereinander immer besser kennen lernten kristallisierten sich langsam immer mehr Freundschaften heraus und Streitereinen beliefen sich auf ein „Normalmaß“. Durch die Intervention der Betreuer wurden die Kinder im Gesamten disziplinierter. Da das gewünschte Gruppengespräch am ersten Abend nicht sehr erfolgreich gewesen war, nutzten die Betreuer nun Gelegenheiten, wie zum Beispiel die gemeinsamen Mahlzeiten oder Trainingseinheiten, um den Kindern wichtige Regeln im Umgang mit anderen Menschen näher zu bringen (z.B. niemanden zu beleidigen, friedlich miteinander umzugehen, einander zu helfen, zusammen Fußball zu spielen und keinen zu diskriminieren).
Zur Mittagszeit erhielten die Kinder Banner der JHA und es wurden Fotos gemacht und Filme gedreht.
Anschließend wurden Rollenspiele durchgeführt bei denen die Kinder entweder die deutsche Nationalität oder die afrikanische hatten und so tun sollten als ob sie einander nicht kennen. Dann sollten sie überlegen wie sie Freunde werden könnten. In diesem Rahmen wurde auch über Rassismus gesprochen.
Danach wurde von den Kindern das Lied „Love Generation“ (dieses Lied lief im Vorfeld der WM und zeigt im Videoclip das Maskottchen „Goleo“ in Aktion) gesungen. Alle Kinder kannten dieses Lied und waren begeistert.
Schließlich fand ein kleines internes Fußballturnier statt.
Am 2. Tag traf auch die 2. Gruppe, der 13-15 Jährigen ein. Nach einer Begrüßung durch Herrn Josef Londji veranstaltete die 2. Gruppe, parallel zur 1. Gruppe der 9-12 Jährigen, ebenfalls ein kleines Turnier.

Um 17:30 fand die Abschlussbesprechung der 1. Gruppe statt. Die anfänglich geplante Teilnahmegebühr von 70 Euro konnte aufgrund von sozial schwächeren Teilnehmern nicht aufrechterhalten werden. Die Eltern wurden daher gebeten entweder 35,50 Euro oder 70 Euro zu spenden, was aber leider nur wenige Eltern taten.

Um 19:00 kamen die Kinder gemeinsam mit einem Betreuer pünktlich bei den Jahnwiesen an, wo sie von ihren Eltern abgeholt wurden.

Während für die 1. Gruppe das Fußballwochenende nun zu Ende war, fand sich die Gruppe der 13-15 Jährigen in der Kantine in der Fußballschule in Marl zum gemeinschaftlichen Abendessen ein. Im Gegensatz zur 1. Gruppe gab es hier keine disziplinären Probleme. Diese Gruppe verstand sich von Anfang an sehr gut und so war die Atmosphäre entspannter.
Die Befragung (die Vorbefragung zur Evaluation der Maßnahme aus Sicht der Kinder) wurde nach dem Abendessen mit den Jugendlichen, auf gleiche Art und Weise wie mit der jüngeren Gruppe, durchgeführt.
Danach wollten die 13-15 Jährigen nur noch eines, nämlich Fußballspielen. Alle waren mit großer Begeisterung dabei. Sie wurden in vier Mannschaften eingeteilt. Der Spielmodus war jeder gegen jeden. Auffallend war, dass die Spieler, die noch nicht miteinander gespielt hatten, eher in Einzelaktionen agierten. Dieses Verhalten wurde jedoch von Herrn Josef Londji explizit aufgegriffen, indem er den Jugendlichen klar machte, dass Fußball ein Mannschaftssport ist. Dieses Thema wurde auch am nächsten Tag bei der Besprechung aufgegriffen.
Um 22:45 war Bettruhe.

3. Tag

Am letzten Tag trainierten die Jugendlichen mit den Trainern der Fußballschule, die mit dieser Gruppe sehr zufrieden waren, da sie sich im Gegensatz zu den 9-12 Jährigen, viel disziplinierter verhielten.
Am Mittag folgte eine Besprechung zu wichtigen Themen, wie Rassismus, Diskriminierung, Mobbing und Intoleranz. Es wurde unter anderem beispielsweise darüber gesprochen, was mach machen kann, wenn man beleidigt wird. Es kam zu einer lebendigen Gesprächsrunde mit vielen guten Vorschlägen.
Ein weiteres Fußballtraining fand um 14 Uhr statt.
Um 17:30 trafen sich alle zur Abschlussbesprechung. Dabei wurde noch einmal auf die Ziele des Projekts, nämlich Toleranz, Zusammelhalt und Solidarität eingegangen und über die nächsten Aktivitäten gesprochen.

Insgesamt war das Fußballcamp eine sehr gelungene Aktion, die wesentlich dazu beigetragen hat, dass sich die Jugendlichen in ihrer Unterschiedlichkeit kennen gelernt und Freundschaften geschlossen haben.

Nachhaltigkeit

Einladung an die Kids, um das Thema noch einmal nahe zu bringen
Kids in Köln sollen weiterhin in Kontakt bleiben durch Angebote wie Turniere,
Straßenfußballliga, evtl. Ausflüge
Die Kids aus Dortmund und Gelsenkirchen sollen in Vereine vermittelt werden, falls sie es noch nicht sind
Es konnten Migrantenvereine für die Idee gewonnen werden
Zum Verein Köln Kickt ist eine enge Verbindung entstanden15
Aufgrund der guten Erfahrungen beim Turnier sollen die Familien (der weißen und schwarzen Kinder im Sinne eines Familienaustauschprogramms mehr als bisher in die Nachfolgeprojekte bzw. die Tätigkeit der Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. mit ein-bezogen werden.

Durch die Matching- und Scale Up-Projekte haben sich neue Entwicklungen ergeben, zum Beispiel eine enge Verbindung zu der Initiative „Köln Kickt“. Die Kinder und Jugendlichen werden nun in kontinuierliche Sportangebote eingebunden. Darüber hinaus wird Schular-beitenhilfe angeboten und es werden neue Ideen erprobt, um die gesamten Familien ein-zubinden. Die Projektleiter/innen haben engen Kontakt zu Vertreter/innen der Kommunal-politik, in diese Richtung laufen auch neue Anträge.