Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Aide a la Jeunesse Africaine 2000

Aktivitäten in Köln zur WM 2006 - Sportliche Integrationsmaßnahme für mehr Toleranz , Solidarität und Verständigung. Organisiert von Jugendhilfe Afrika 2000 e.V.

Egal, ob schwarz oder weiß, beim 1. FC Köln legen sich alle Kinder mächtig ins Zeug.

Begeisterte Begrüßung für U-19-Coach Schaefer (2. v. r.), sein Team und FC-Profi Denis Epstein (Mitte rechts) und Josef Londji, Projektleiter (2. v.l.)
Alle sind sie da: Podolski, Figo, Markus Pröll, Ronaldo, Del Piero und natürlich auch Beckham und Ronaldinho. Sie stürmen über das Spielfeld und zeigen Tricks wie den „übersteigern oder den „Zidane“, ohne nennenswerte Knoten in den Beinen davon zutragen. Und obwohl in den Trikots mit den klangvollen Namen natürlich nicht die echten Stars stecken, die selbst erst noch zu Helden werden wollen, ist Frank Schaefer begeistert: „Die Jungs sind super, absolut motiviert, so ein hohes Niveau habe ich nicht erwartet“, sagt der U-19-Trainer des 1. FC Köln.

Knapp 65 Kinder zwischen neun und 15 Jahren zur Hälfte schwarz und zur Hälfte weiß, trafen sich zum ersten Mal zu einem gemeinsamen Training. Bis 5 Monate sollten sie im Rahmen des Projektes „Fußball WM 2006 Black & White“ einmal in der Woche miteinander Fußball spielen, gemeinsame Freizeitaktionen starten und zusammen bei Freundschaftsturnieren antreten.

Das Wort Integration sagt den Kindern nichts, auf dem Fußballplatz vollzieht sie sich heimlich und von ganz allein. Was Rassismus ist können zumindest die Älteren erklären. Aber wirklich wichtig ist ihnen nur, beim FC auf dem Platz zu stehen. „Hier gibt es zwei Prinzipien“, sagt Schaefer bei der Einführung: „Erstens: Alles muss Spaß machen. Zweitens: Wenn der Trainer etwas sagt, haltet ihr die Klappe.“ Und dann sagt er noch einen Satz, der die Kinderherzen wohl hat höher schlagen lassen: „Wer weiß, vielleicht ist ja der eine oder andere von euch so talentiert, dass wir ihn künftig beobachten werden.“ Man müsse die Augen schließlich offen halten, so Schaefer,“ auch wenn wir das hier nicht aus Sichtungszwecken machen“ Prinzip eins funktioniert an diesem Abend auf dem FC-Trainingsplatz von ganz allein: Mit roten Köpfen stürmen die Kinder über das Feld, sie absolvieren erst ein Stationstraining und dann ein kleines Turnier. Ihre Eltern betrachten das bunte Treiben vom Spielfeldrand aus.

„Bei einem Projekt gegen Rassismus macht man natürlich gern mit“, sagt Bongadite Soba, der Vater von Ken-Daniel (13), „ denn niemand wird als Rassist geboren“. Gemeinsames Fußballspielen hilft, da ist Daniel Kudikila, der Vater von Nelson (13), zuversichtlich: „Bei einer solchen Mischung haben die Rassisten keine Chance.“

Derweil hat Frank Schaefer ein „Highlight“ entdeckt: Robby Lokowo, Torwart der Sportfreunde Eil, macht mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam. In dem kleinen Abschlussturnier merken das auch Lokowos Gegner: Wer ist das denn da im Tor?“, brüllt einer von ihnen. Er wird es herausfinden. Bis Ende Oktober bleibt dafür viel Zeit.

Die TeilnehmerInnen haben im Laufe des Projekts eine deutlich offenere und natürlichere Haltung im Umgang mit den Kulturen, Mentalitäten und Verhaltensarten ihrer Mitspieler entwickelt.

Gleichzeitig hat das Projekt auch bei den beteiligten Familien, vor allem Eltern, ein Zeichen für Toleranz und Solidarität gesetzt und zwischen ihnen freundschaftliche Bindungen entstehen lassen. Die Eltern der Jugendlichen sollten sich kennenlernen und solidarisch miteinander umgehen. Andere gemeinnützige Vereine oder Institutionen sollen angeregt werden, ähnliche Projekte zu realisieren.

Darüber hinaus fördert Fußballspielen nicht nur soziale Integration durch spielerisches Verinnerlichen grundlegender Regeln, sondern sensibilisiert auch für das Leben und Zusammenarbeiten in Gruppen mit all seinen Anforderungen und Freuden, wie seinen Platz in einer Gruppe zu finden und an diesem Platz von anderen anerkannt zu werden.

Von daher ist Sport ein Weg zur persönlichen Entwicklung. Kinder und Jugendliche erfahren Wertschätzung und erfahren dadurch wieder Selbstwertgefühle. Beispielsweise werden schlechte Schüler, die oft negatives Feedback erhalten, durch Fußball wieder auf ihre persönlichen Kompetenzen aufmerksam.