Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Jugendhilfe Afrika 2000 e.V. Aide a la Jeunesse Africaine 2000

2. Tagung des Forum der Migrantinnen und Migranten (FdM) im Paritätischen

Am 18 und 19 April 2008 nahm die JHA 2000 e.V. zum zweiten Mal an der Tagung des Forums der Migrantinnen und Migranten teil. Die diesjährige Tagung stand unter dem Motto „Aufstieg durch Bildung“ und wurde vom Forumssprecher Herrn Kenan Kücük, unter Beteiligung zahlreicher Migrantenselbstorganisationen eröffnet In seiner Eröffnungsrede hebte Herr Kücük hervor dass das Thema der Bildung, aufgrund von neueren statistischen Zahlen als besonders Gewichtig anzusehen ist.

Menschen mit Migrationshintergrund stellen in Deutschland eine besonders junge Bevölkerungsgruppe dar und sind ganz klar Bildungsverlierer. Noch immer verlassen 40% der Menschen mit Migrationshintergrund die Bildungseinrichtungen ohne jeglichen Berufsabschluss. Ganz ohne Schulabschluss stehen 20% der Jugendlichen mit Migrationshintergrund da. Auch auf akademischer Ebene sieht die Situation höchst unbefriedigend aus: Während Migrantenkinder an Hauptschulen mit etwa 20% deutlich überrepräsentiert sind, sind sie an Gymnasien deutlich unterrepräsentiert, was zu einem Hochschulzugang von 3,6% führt. Die schulische und berufliche Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist der zentrale Ansatz, der im Bereich Integration mit allen Kräften verfolgt werden sollte. Denn Bildung ist Zukunft! Bildung schafft Perspektiven! Nur durch einen Erfolg in diesem Bereich lassen sich auch viele andere Probleme lösen!“

In diesem Sinne äußerten sich auch Vertreter aus Politik, die Im Rahmen der Tagung in Form von Beiträge bzw. Referate die Gelegenheit erhielten sich zum Thema „Aufstieg durch Bildung“ zu äußern.

Frau Prof. John, Vorsitzende des Paritätischen Landesverbandes Berlin und Mitglied im Vorstand des Paritätischen Gesamtverbandes, begann mit der Feststellung dass Migrantinnen und Migranten mit der Gründung des Forums eine Plattform besitzen, um als Akteure die praktische Integrationspolitik mitgestalten zu können. Als unmittelbare Betroffene der Integrationsbemühungen werden Migranten über das Forum als sachkundige und engagierte Dialogpartner für Politik und Gesellschaft wahrgenommen.

Frau Prof. John würdigte das 1. Jahr der Arbeit des Forums als sehr erfolgreich und machte deutlich, dass die Einbeziehung und Stärkung der MSO eine Besonderheit des paritätischen Wohlfahrtsverbandes darstelle. Im Zusammenhang mit dem Thema „Aufstieg durch Bildung“ stellte Frau John fest, dass es auch nach 50 Jahren der Einwanderung von Migranten, für in Deutschland aufwachsende junge Menschen mit Migrationshintergrund noch immer keinen Aufstieg durch Bildung gibt. Sie verwies dabei auf die erschreckenden Zahlen des Berufsbildungsberichts 2007 und ging dabei auf vorhandenen Problemen wie den
Barrieren bei der Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen, der mangelnden Flexibilität bei den Ausbildungsberufen und der fehlenden Qualifizierung der Ausbilder und Erzieher im Bereich der interkulturellen Kompetenzen ein.

Herr Staatssekretär Scheele vom Ministerium für Arbeit und Soziales, erörterte in ein einführendes Referat, die Berufliche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Er ging hierbei ganz besonders auf die aktuellen Aktivitäten der Bundesregierung und Kooperationsmöglichkeiten von MSO ein.

Herr StS Scheele eröffnete seine Rede mit dem Eingeständnis, dass die Thematik für ihn ein neues Tätigkeitsfeld sei, er persönlich jedoch den Austausch mit Migrantenselbstorganisationen suche. Anschließend ging er auf den Berufsbildungsbericht 2007 ein, der offen legt, dass sich trotz positivem Trend auf dem Ausbildungsmarkt, die Ausbildungssituation von jungen Menschen mit Migrationshintergrund verschlechtert hat. Als eine Ursache hierfür nannte Herr Scheele die Tatsache, dass das deutsche Schulsystem zu sehr abschlussorientiert und zu wenig übergangsorientiert sei. Zur Behebung der Defizite hat die Bundesregierung im Rahmen des nationalen Integrationsplans eine Reihe von Maßnahmen vorgesehen, deren Umsetzung seitens des BMAS im Herbst überprüft werden soll. Als Zielsetzung und Perspektiven für den Bereich der beruflichen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund wurden folgende Punkte genannt:

- Berufsrechtliche Hindernisse dürfen nicht mehr, wie bisher, die Chancen von Migranten auf den Ausbildungs-/Arbeitsmarkt mindern.
- Es müssen neue Arten von Lehrberufen entwickelt werden, die auf die Gegebenheiten von Migranten angepasst sind.
- Reform des Schulwesens von einer abschluss- zu einer übergangsorientierten Sicht.

Es muss verhindert werden, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund jahrelang im Übergangssystem verbleiben, ohne hier reelle Perspektiven zu erhalten Herr Staatssekretär Scheele betonte die große Rolle, die den Eltern bei der Unterstützung der Jugendlichen bei der Berufswahl und der Berufsausbildung zukomme. Dieser Verantwortung könnten allerdings nicht alle Eltern ausreichend gerecht werden. Daher werde man zukünftig gezielt „Ausbildungsbegleiter“ fördern, die dann allerdings mit den Elternhäusern kooperieren müssten.

Anschließend entstand in den 3 Arbeitsgruppen: Elternarbeit, Übergang Schule/Beruf, und ausländische Betriebe als Ausbilder eine intensive und lebhafte Diskussion zu den o.g. Themen.

Forderungen aus AG Elternarbeit:


- Lehrer seien für Elternarbeit nur bedingt geeignet, diese solle vielmehr von unabhängigen Elternvereinen gemacht werden. Es sollte auch die Möglichkeit einer diesbezüglichen unabhängigen Rechtsberatung geprüft werden.
- Es müsse geklärt werden, welchen Stellenwert die Elternarbeit im Verhältnis zur Schule habe, was notwendige Aufgaben der Schule seien, was Aufgabe der Eltern
- Die frühe Trennung der Schüler – nach der 4.Klasse – führe auch zu einer Trennung der Eltern. Diese müssten sich auf neue Schulen einstellen, dies erschwere die Kooperationsmöglichkeiten
- Die Rolle der MSO sei es auch, die Schule zu qualifizieren
- Wichtig sei, mehr Lehrkräfte mit Migrationshintergrund in den Schulen zu beschäftigen sowie die stärkere interkulturelle Öffnung/ Ausbildung des Schulpersonals
- Die MSO sollten auf Landesebene die Umsetzung der Vereinbarung der KMK mit den Migrantenorganisationen einfordern

Forderung aus AG Übergang Schule/Beruf:

1) Bei der Frage der schulischen und beruflichen Bildung soll das Forum auch „Randgruppen“, wie Flüchtlinge und behinderte Migranten im Blick haben
2) MS0 müssen für qualifizierte Arbeit auch entsprechend bezahlt werden
3) Förderung des Informationsaustausches und der Vernetzung zwischen MSO im Bereich des Übergang Schule und Beruf
4) Beseitigung von diskriminierenden Barrieren im deutschen Bildungs- und Ausbildungssystem
5) Förderung von Maßnahmen zur Verständigung mit der Aufnahmegesellschaft, um berufliche Integration als gemeinsame Herausforderung zu sehen
6) Ressourcen von Migranten sollen stärker genutzt werden
7) Interkulturelle Öffnung der Bildungseinrichtungen
8) Brückenfunktion der MSO im Rahmen des Integrationsprozesses

Forderung aus AG : ausländische Betriebe als Ausbilder

- MSO sollen mehr eigene Ideen und Vorschläge zu diesem Thema aufbringen, denn sie kennen sich mit dieser Problematik gut aus.
- MSO sollen als Informationsbrücke zwischen Migranten und Kommunen bzw. Ministerien dienen. Zur Informationsweitergabe sollen verstärkt auch muttersprachliche Medien eingesetzt werden.
- Überregionale Vernetzung der MSO.
- Qualifizierung und Proffesionalisierung der MSO.

Der erste Tagungstag endete um 20.30 Uhr mit einem gemütlichen Beisammensein im Restaurant des Tagungshauses, das durch eine musikalische Veranstaltung lebhaft animiert wurde.

2. Tagungstag : Samstag 19.04.2004


I. Bericht der Sprecher über die bisherigen Aktivitäten des Forums, Herr Kenan Kücuk, Herr Tshikudi Londji

Der Sprecher des Forums, Herr Kücük eröffnete den zweiten Tagungstag mit dem Bericht über die einjährige Aktivität des Forums. Er nannte noch einmal kurz die Zielsetzung und den Arbeitsauftrag den der Sprecherkreis von der Gründungsversammlung im Mai 2007 erhalten hatte. Nach seinen Worten sei der Start des Forums insgesamt gelungen. Der Kontakt zur Bundespolitik sei durch Gesprächen mit einzelnen Ministerien und der Einladungen im Bundeskanzleramt bei der Bundesintegrationsbeauftragten Frau Prof. Böhmer hergestellt worden. Auch bei wichtigen Akteuren der Zivilgesellschaft wie der Bertelsmann-Stiftung gab es die Gelegenheit, die Arbeit des Forums bekannt zu machen. Höhepunkt der Öffentlichkeitsarbeit war der offene Brief des Forums, der während des hessischen Wahlkampfs an die Bundeskanzlerin und den hessischen Ministerpräsidenten Koch verschickt wurde. In diesem Brief, der bundesweit in verschiedenen Medien
(Zeitungen/ Fernsehen) sehr öffentlichkeitswirksam besprochen wurde, nahm das Forum, vertreten durch seine Sprecher, zu den polemisierenden und diffamierenden Äußerungen des Ministerpräsidenten Koch in Bezug auf junge Menschen mit Migrationshintergrund öffentlich Stellung.
Der stellvertretende Sprecher Herr Londji sprach über den wichtigen innerverbandlichen Austausch des Forums. Hier wurden vor allem die Erfahrungen im Austausch mit den Paritätischen Landesverbänden, mitgeteilt.

II. Diskussionen über die zukünftige Arbeit des Forums

Im Anschluss an den Bericht der Sprecher fand eine Diskussion über die zukünftige Arbeit des Forums statt.
Wesentliche Ergebnisse:

1) Der Informationsaustausch und die Vernetzung zwischen MS0 untereinander und dem Forum soll verbessert werden
2) Aufbau von Strukturen zur Qualifizierung und Professionalisierung von MSO
3) Ressourcen von MS0 sollen im Sinne einer stärker wert geschätzt werden.
4) Das Thema der Anerkennung ausländischer Schulabschlüssen / Gleichstellung von Qualifikationen sollte vom Forum aufgegriffen werden.
5) Kontaktaufnahme des Forums der Migrantinnen und Migranten zur Antidiskrimierungsstelle des Bundes

III. Verabschiedung einer Geschäftsordnung für das Forum der Migrantinnen und Migranten und Wahl des neuen Sprecherkreis u. Beirates

Es wurde von der Vollversammlung für das Forum der Migranten und Migrantinnen eine Geschäftsordnung verabschiedet, die im Wesentlichen, die Vorschläge der Gründungsversammlung von Mai 2007 beinhalten und gleichzeitig der neue Sprecherkreis und Beirat gewählt:

Es wurde in drei verschiedenen Wahlgängen wie folgt gewählt:


Sprecher

Name Bundesland
Herr Kenan Kücük NRW

Stellvertreter/in

Name Bundesland
Frau Emirjeta Veshi Bayern
Frau Beshid Najafi NRW

Beirat

Name Bundesland
Herr Tshikudi Londji NRW
Herr Sharif Rahim Schleswig-Holstein
Frau Berivan Aymaz NRW
Frau Lan Phuong Nguyen NRW
Herr Hoai Ngoc Nguyen Sachsen
Frau Shila Masoumi NRW
Frau Alcilene Silva Alves Willeke Hessel